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Claude AnShin Thomas - Auf den Spuren des Leidens
Datum: Wednesday, 08. May 2002 um 21:41 Uhr
Themen Sonstiges


»Den Mut haben, die Gewalt in uns selbst zu heilen«

Pilgerwanderung auf den Wegen der Todesmärsche des Holocaust von Budapest nach Bergen-Belsen mit dem Zen-buddhistischen Mönch Claude AnShin Thomas

15. August - Ende Oktober 2002

Claude AnShin Thomas wird vom 15. August bis Ende Oktober diesen Jahres eine Pilgerwanderung von Budapest, Ungarn zum ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen, Österreich und weiter zum ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen, Deutschland durchführen.
Während der gesamten Periode des Holocaust wurden zahlreiche Todesmärsche durchgeführt. In der letzten Phase, kurz vor der Befreiung vom Hitler-Regime, wurden noch einmal Hunderttausende Juden und andere Opfer auf solche Märsche geschickt, die meisten waren ohne Ziel. Als die Ostfront immer näher rückte, begannen die Nazis, die Insassen aus den östlich gelegenen Konzentrationslagern zu verlegen. Sie schickten sie auf die sogenannten Todesmärsche, an denen die Häftlinge unter unvorstellbaren Bedingungen Hunderte Kilometer zu Fuß zurücklegen mussten. Hunderttausende von ihnen überlebten diese qualvollen Märsche nicht, starben an Erschöpfung, Erfrierung, Hunger und Durst, wurden erschossen oder zu Tode gefoltert.

Im Jahr 1944 wurden ungarische Juden und Jüdinnen von Budapest in das Konzentrationslager Mauthausen getrieben und von da aus auch in viele andere Lager. Über die meisten Märsche ist nicht viel bekannt, von diesem existiert noch die Wegbeschreibung und es gibt Überlebensberichte.

In Erinnerung des Krieges und seiner Qualen, wird Claude AnShin Thomas den Weg des Todesmarsches von Budapest nach Mauthausen und von dort weiter in das ehemalige Konzentrationslager nach Bergen-Belsen in Deutschland zurücklegen.

Immer wieder weist Claude AnShin darauf hin, dass der Krieg nicht beendet ist, weil die Wurzeln in jedem Einzelnen verborgen liegen. Krieg findet noch immer statt, an vielen verschiedenen Orten in der Welt, ebenso wie in unseren Familien und Gemeinden und unserer Gesellschaft. Als Folge erinnert Claude AnShin uns weiterhin daran, dass wenn wir wollen, dass die Welt anders wird, dass wir anders leben müssen. Wir müssen zu unserem eigenen Leiden erwachen, zu unserer eigenen Gewalt und lernen, damit anders zu leben, einen anderen Umgang damit zu finden. Krieg ist ein kollektiver Ausdruck individuellen Leidens und kann nur enden, wenn wir (einzeln) anders leben. Claude AnShin Thomas teilt seine persönlichen Erfahrungen mit, wenn er die Wirklichkeit erwähnt: „ Gewalt ist niemals eine Lösung.“

Er selbst war 1966-67 Hubschrauberkommandant im Vietnamkrieg. Mit 17 Jahren meldete er sich zum Militär und kam bereits im Alter von 19 Jahren schwerverwundet in sein Heimatland, die USA, zurück. Das Erlebnis des Vietnamkrieg machte ihm ein ’normales’ Leben unmöglich, und es folgten Alkoholabhängigkeit, Obdachlosigkeit, Drogenabhängigkeit und soziale Isolation. Aus diesem Leiden heraus begann Claude AnShin, sich mit seiner Vergangenheit auseinander zusetzen und ist seitdem dabei, körperlich, emotional und seelisch-geistig von den verheerenden Auswirkungen des Krieges zu heilen und anderen in diesem Prozess zu dienen. 1995 wurde er von Glassman-Roshi zum Zen Buddhistischen Mönch der Japanischen Soto und Rinzai Tradition ordiniert. Er legte Gelübde als Bettelmönch und Wandermönch ab und daher ist insbesondere die spirituelle Übung der Pilgerschaft ein dringendes Anliegen für ihn.

Während der Pilgerwanderung praktiziert Claude AnShin die buddhistische Tradition des Takuhatsu- Almosenbetteln. Er wird ohne Geld und in seinen Zen Buddhistischen Roben gehen. Er wird alles Nötige auf dem Rücken tragend. Und während er von Ort zu Ort geht, wird er um Unterkunft und Essen, sowie andere notwendige Hilfe bitten.

Wer ihn auf dieser Pilgerreise begleiten und mit ihm praktizieren möchte, ist herzlich eingeladen. Man kann für eine beliebige Distanz auf der Pilgerwanderung mitgehen, jedoch wird empfohlen, für mindestens 7 Tage dazuzukommen.

Falls man nicht am Gehen interessiert ist oder nicht gehen kann und man trotzdem dieses Bemühen unterstützen möchte, dann kann man das durch die Praxis des DANA PARAMITA. Das DANA PARAMITA ist die Lehre der Großzügigkeit, des selbstlosen Gebens. Eine Art, das DANA PARAMITA zu üben, kann darin bestehen, Essen und Unterkunft für die Pilgerwanderung bereitzustellen oder finanzielle Hilfe anzubieten.

Falls du die Entscheidung triffst, auf der Pilgerwanderung mitzugehen, dann triffst du für den Pilgerzeitraum durch deine Teilnahme die Aussage, dass du akzeptierst, auf dieselbe Art wie Claude AnShin zu praktizieren. Du verpflichtest dich, jeden Morgen und jeden Abend an einer formalen Buddhistischen Andacht teilzunehmen und ohne Geld, Essen oder geplante Unterkunft, mit dem Nötigsten auf dem Rücken zu gehen.

Claude AnShin wird täglich zwischen 15 und 30 Kilometern zügig mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5-6 Kilometern pro Stunde gehen. Mit deiner Entscheidung, an der Pilgerwanderung teilzunehmen, bestätigst du, dass du in guter körperlicher Verfassung bist und in der Lage bist, mit Claude AnShin mitzuhalten. Bitte überdenke diese Angelegenheiten ernsthaft, um herauszufinden, ob diese Praxis etwas für dich ist oder nicht!!

Die Pilgerwanderung beginnt am 15.August 2002 mit einem öffentlichen Vortrag und einem Tag der Achtsamkeit in Budapest. Der tatsächliche Marsch wird am 17. August 2002 beginnen und wird der oben erwähnten Route folgen. Während der Pilgerwanderung wird Claude AnShin Praxis/Meditationstage entlang des Weges anleiten.

Die Teilnehmer der Pilgerwanderung sind aufgefordert, vor Antritt anderen Menschen von der Pilgerwanderung und ihrer Absicht der Teilnahme zu erzählen und nach der buddhistischen Lehre des DANA PARAMITA um 1.080,00 € zu bitten. Das ist eine wichtiger Aspekt in der Vorbereitung auf das Projekt: Das Geld kann nicht aus eigenen Mitteln aufgebracht werden. Man muss sich auf die Praxis des Almosenbetteln einlassen, indem man Freunde, Kollegen, und Bekannte fraget. Diese Übung dient sowohl dem Zweck, die eigene Praxis nicht geheim zu halten, als auch Bewusstsein für diese engagierte spirituelle Praxis zu schaffen. Es mag den Teilnehmen auch als Vorbereitung auf die Praxis von Takuhatsu- Almosenbetteln- dienen. Nach Beendigung der Pilgerwanderung werden all diejenigen, die Spenden gesammelt haben, als Gruppe über die Verwendung der Spenden entscheiden.

Teilnehmer werden gebeten, bitte bei Einsenden des Anmeldeformulars eine Anzahlung in Höhe von 150 € (dies ist getrennt vom gesammelten DANA) vorzunehmen. Dieses Geld wird zur Deckung der Organisationskosten der Pilgerwanderung verwendet werden. Broschüren mit Anmeldungsformularen und eine Liste mit empfohlenen Ausrüstungsgegenständen können bei Anfrage zugeschickt werden.

Organisation, weitere Informationen und Anmeldung:

Zaltho Foundation
Ines Hedrich und Roger Markwart
Grüner Weg 20
83229 Aschau
Deutschland
Tel. ++49 (0)8052/909372
Fax: ++49 (0)8052/951431

e-mail: inhed@surfeu.de


Die Pilgerwanderung wird unterstützt von der Zaltho -Sangha Schweiz.

Informationen auch unter http://www.zaltho.de

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