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Bushido
geschrieben von: Mario Trinkhaus am Sonntag, 16. März 2003, 17:28 Uhr
(jap.): wörtlich: »Weg des Kriegers«.
Bushido war der Ehrenkodex und das Verhaltensgesetz der Samurai. Immer wieder entstehen im Zusammenhang mit Zen Diskussionen, ohne das die Hintergründe hinreichend bekannt sind. Dieser Auszug aus dem Lexikon der Kampfkünste soll ein wenig von diesem Hintergrundwissen vermitteln.

Bushido
(Jap.): wörtlich: »Weg des Kriegers«. Ehrenkodex und Verhaltensgesetze der Samurai (Bushi und Bujutsu). Die Samurai waren Krieger und übten das Kriegerhandwerk (Bujutsu) in verschiedenen Schulen (Ryu). Dort durchliefen sie neben der technischen Ausbildung eine Art Lebensschule, die das Verhalten des Samurai-Standes formte, der durch harte Methoden der geistige Askese ein unvorstellbares Niveau an Selbstdisziplin, Selbstbeherrschung und Selbstaufgabe erreichte.

Etappen des Bushido
Die historische Entwicklung des Bushido, die immer Hand in Hand mit dem Kriegerhandwerk (Bujutsu) ging, läßt sich in drei Etappen einteilen, die sich im Verlauf der geschichtlichen Veränderung Japans voneinander unterscheiden:

1. Während der Anfänge des Bushido, das zur Zeit des Gempei-Krieges im 12.Jh. in der Kamakura-Periode entstand und noch hauptsächlich vom Shinto beeinflußt war, gebrauchte man die Bezeichnung Kyuba no michi (Weg des Bogens und des Pferdes). Die technischen Fertigkeiten (Bujutsu) dominierten den geistigen Weg (Do), legten jedoch den Grundstein für die Entstehung der meisten Ryu.

2. In der Tokugawa-Periode (1603-1868) begann sich das Bushido unter dem starken Einfluß des Zen und des Konfuzianismus zu reformieren. Es beeinflußte durch diese geistigen Strömungen die allmähliche Veränderung des Bujutsu zum Budo und entwickelte eine immer ausgeprägtere Tendenz zur geistigen Lebensführung der Samurai.

3. Nach der Meiji-Restauration (1868) veränderte sich das Bushido erneut gravierend. Viele archaische Elemente der früheren strikten Privilegien für Samurai wurden ausgeklammert. Das vorausgegangene Samurai Bushido, das in erster Linie die Krieger des Shogun und der Daimyo betraf und sich in hierarchischer Fortsetzung auf die Hatamoto und schließlich auf weitere Ränge der Samurai ausdehnte, wurde durch die Meiji-Restauration zur allgemeinen Lebensauffassung aller Bevölkerungsschichten Japans.

Das Bushido der Tokugawa Periode (1603-1868)
Das Bushido begann sich als verbindlicher Ehrenkodex für die Samurai erst zu Beginn des 17. Jh. tatsächlich zu profilieren und entstammt einem nie aufgeschriebenen Kriegerkodex der vorausgegangenen Geschichtsperioden, dem Kyuba na michi (Weg des Bogens und des Pferdes). Der Begriff Bushido wurde erst verwendet, als die Schriften von YAMAGA SOKO (1622-1685), einem konfuzianistischen Gelehrten, verbreitet wurden. Die erste niedergeschriebene Abhandlung über das Bushido war das »Buke shohatta«. Dieses wurde auf Befehl des Shoguns TOKUGAWA IEYASU (1542-1616) geschrieben und lautete in der Übersetzung »Gesetzessammlung für die Samurai«. Weitere bedeutende Werke der Samurai-Literatur sind das » Koyo gunkan« , das »Budo shashinshu« und das »Hagakure«.

Zu Beginn der Tokugawa-Periode gab es in Japan ungefähr 500 000 Samurai. Ihr Verhaltenskodex wurde von den Vorständen (Iemata) der verschiedenen Samurai-Schulen (Bujutsu und Ryu) geformt und schöpfte gleichzeitig aus den geistigen Strömungen, von denen hauptsächlich jedoch der Shinto, das Zen und der Kanfuzianismus zu nennen sind. Der Shinto beeinflußte das extrem kriegerische Element (Yamata damashi, Yamata kakara und Heijo shin kore michi), der Konfuzianismus überlieferte die Moralvorstellungen (Gajo - die fünf Tugenden und Garin - die fünf ethischen Prinzipien), beeinflußte die Sitten und die Treue gegenüber dem Herrn (Chugi), während das Zen den Weg zur Meisterung des Ich und zum Erlangen einer unerschütterlichen Ruhe zeigte. Aus diesen drei geistigen Quellen entstand eine eigenständige Ideologie, die bis zuletzt das gesamte japanische Volk beherrschte. Sie lehrte die Grundtugenden der Samurai, den Sinn für Gerechtigkeit (Gin) und Ehrenhaftigkeit (Bushi na ichi gon), den Mut (Yu) und die Verachtung des Todes (Enrya), das Mitleid mit allen Wesen (Bushi na nasake), die Menschlichkeit (Jin), die Höflichkeit und den Respekt vor der Etikette (Reigi), die Aufrichtigkeit (Makota), die absolute Loyalität vor den Vorgesetzten (Chugi) und schließlich die Verteidigung der Ehre des eigenen Namens und des Clans. Später wurden diese Tugenden (Gishi) zu Giri (Pflichtbewußtsein), Shiki (Entschlossenheit), Ansha (Großmut), Fudo (Standhaftigkeit), Daryo (Edelmut) und Ninyo (Menschlichkeit) vereinfacht. Das Bushido erhob nie den Anspruch, eine Religion zu sein, es wurde nie als ethisches Gesetz niedergeschrieben oder als System gelehrt; dennoch hatte es den gewaltigsten Einfluß auf die kulturelle, gesellschaftliche und politische Entwicklung Japans. Obwohl es von allem Anfang an in einer starken Konfrontation mit dem Kaiserhaus (Tenno) stand, da es die absolute Treue gegenüber dem direkten Lehnsherrn (Daimyo) vorsah, konnte es die Macht der Kriegerkaste (Samurai) stärken und verurteilte schließlich den Kaiser zur politischen Ohnmacht. Die Krieger gewannen an Ansehen und Macht und diktierten über ihre oberste Instanz (Shogunat) jahrhundertelang die Geschichte Japans. Erst in der Meiji-Periode, als das Shogunat abgeschafft wurde, kam es zu einer friedlichen Koexistenz zwischen Kaiser und Kriegern. Aus den drei großen Geistesrichtungen Japans schöpfte das Bushido folgende Ideen, aus denen sich seine Ideologie zusammensetzte:

Shinto:Der Shintoismus veranlaßte die Samurai zur Reinheit des Geistes (Makoto), zum Pflichtbewußtsein (Giri) und zur Treue (Chugi) gegenüber dem Tenno, dem Shogun und den Daimyo, obwohl im Falle von Auseinandersetzungen immer die Treue gegenüber dem direkten Lehnsherrn den Ausschlag gab. Auch die Ahnenverehrung (Yamato damashi) und der Patriotismus ( Yamato kokoro) sind überlieferte Geisteshaltungen aus dem Shinto, die bis in die Neuzeit Japans oft in Nationalismus ausarteten.

Zen:Das Erdulden des Unvermeidlichen, die Fähigkeit zur kraftvollen Konzentration in allen Handlungen (lwao no mi) sowie die ausgesprochene Ruhe in gefährlichen Situationen, auch angesichts des Todes, kommen aus dem Zen. Die Lehre des Zen und das Kriegertum waren wie füreinander geschaffen. Auch die Überwindung der Angst, das »Jenseits von Leben und Tod Gehen« und die Bereitschaft, im Kampf zu sterben, sind auf die geistigen Philosophien des Zen zurückzuführen. Dies bedeutete jedoch nicht, daß die Samurai das Leben verachteten. Die Zen-Philosophie lehrt im Gegensatz zur hinduistischen Religion eine sehr intensiv lebensbejahende Haltung. Die Todesverachtung (Enryo) der Samurai beruht auf der Philosophie des Zen, der zufolge der Tod keinen Gegensatz zum Leben bildet.

Konfuzianismus: Aus dem konfuzianistischen Gedankengut übernahm der Samurai die Loyalität (Chu) gegenüber den Vorgesetzten, dem Clan und der Familie, das strikte Beachten der Sitten und Normen zur Verwirklichung einer rechtschaffenen Haltung (Gi) und das Bekenntnis zu den Tugenden der Empfindsamkeit ( Yin), Höflichkeit (Rei), Aufrichtigkeit (Shin), Weisheit (Chi) und Gerechtigkeit (Gi). Beeinflußt von den Ideen des Konfuzianismus, lebte der Samurai in ständiger Angst vor Entehrung, worauf Seppuku zurückzuführen ist.

Als erster neuzeitlicher Japaner versuchte NITOBE INAZO diese besondere Geisteshaltung der japanischen Samurai dem Westen zugänglich zu machen und faßte ihre alten Tugenden vereinfacht unter drei Hauptbegriffen zusammen: Chi (Weisheit), Jin (universelle Liebe) und Y u (Mut). Andere Autoren bezeichnen Giri (Pflichtbewußtsein), Chugi (Loyalität), Shiki (Entschlossenheit), Ansha (Großzügigkeit), Fudo (Standhaftigkeit), Doryo (Edelmut), Ninyo (Menschlichkeit) und Yu (Mut) als wichtige Tugenden des Bushido. Die einzelnen Ryu des Bujutsu hatten ihren Schwerpunkt in verschiedenen Geistesrichtungen (Shinto, Konfuzianismus , Zen oder in den esoterischen Praktiken des Mikkyo) und unterschieden sich in manchen Auffassungen voneinander. Was sich jedoch durch alle Schulen hindurchzog, waren Giri, ein bedingungsloses Pflichtbewußtsein, Chugi, eine unbegrenzte Treue gegenüber dem Lehnsherrn, und Enryo, die Todesverachtung. Eine andere wichtige Seite des Bushido war die Ausbildung der Geistigkeit, die in den konfuzianistischen Schulen als Bunbu ichi, in den Zen Schulen als Furyu und im Shinto als Mono no aware bezeichnet wurde. »Bun (Geistigkeit) ist die Kraft, die die Bu-Seite (Kriegskunst) ausgleicht«, wurde von den konfuzianischen Weisen (Seijin) gelehrt. Doch hauptsächlich die Meister des Zen (Roshi) bewirkten durch ihre Lehren die Umwandlung des Bujutsu (Kriegstechnik) in Budo (Weg des Kriegers). Im »Budo Shoshin shu« steht geschrieben: » Wer nur über rohe Kraft verfügt, verdient nicht den Namen Samurai. Ein Samurai muß auch die Wissenschaften studieren, er muß seine Mußestunden nutzen, um sich in der Poesie zu üben, und lernen, die Teezeremonie zu verstehen«.

Quelle:
Lexikon der Kampfkünste - Werner Lind - Sport Verlag Berlin - ISBN 3-328-00898-5
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