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weitere Texte -- Index > Zengeschichten > Die Trauer des Ts'in-shih druckerfreundliche Ansicht

Die Trauer des Ts'in-shih

Als Lao-tzu gestorben war, ging Ts'in-shih hin, ihn zu beweinen. Als er zum Grab kam, seufzte er dreimal und ging wieder weg. Ein Konfuzianer, der ihn beobachtet hatte, stellte ihn zur Rede:

»Seid Ihr nicht der Ts'in-shih?«
»Ja, der bin ich.«, antwortete der.
»Und war nicht Lao-tzu Euer Lehrer?«
»Ja, er war es.«
»Erscheint es Euch dann als hinreichende Bezeugung des Grams, zum Grabe Eures Meisters zu kommen, an dessen Tisch Ihr gesessen und dessen - wenn auch zweifelhafte - Weisheit Ihr gelöffelt habt, dreimal zu seufzen und wieder davonzulaufen?«
»Ja,« erwiderte Ts'in-shih, »denn als ich zum Grabe kam, sah ich junge Mädchen, die um ihn weinten wie um einen Geliebten; Männer und Frauen, die um ihn trauerten wie um ein verlorenes Kind. Um soviel Liebe hervorzurufen, muß Lao-tzu Worte gesprochen haben, die besser ungesagt, und Gefühle geweckt haben, die besser unerweckt geblieben wären, die Menge der menschlichen Leidenschaft vermehrend. Wer in diesem Maß Liebe und Haß hervorzurufen imstande ist, der hat die letzte Wahrheit noch nicht verwirklicht. Darum habe ich mich entzogen.«
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