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Die verschollenen Schriften von Tao-hsin
geschrieben von: chr_jun am Donnerstag, 13. Mai 2004, 16:03 Uhr
Verloren geglaubte Aussprüche eines legendären Zen-Meisters tauchten vor wenigen Jahren in China auf. Sind sie echt, oder ein Fälschung?

Auszug
Ein Mann fragte Tao-hsin »Ist Geld und Besitz erstrebenswert?«
Tao-hsin antwortete »Einigen gehört die ganze Welt, anderen nur ein Teil davon.«



VORWORT
In verschieden Aufzeichnungen alter chinesischer Zen-Meistern kommt der Name Tao-hsin vor. Man kann aus diesen Quellen schliessen, dass er in der Mitte des ersten Jahrtausends zurückgezogen im südlichen China gelebt hat und einige Schüler hatte, welche direkt oder über ihre jeweiligen Nachfolger einen grossen Einfluss auf die Entwicklung des Zens hatten.

Ausser diesen indirekten Informationen, war über diesen legendären Tao-hsin lange Zeit nichts bekannt. Wohl wurde intensiv nach seinem Tempel und den acht grossen Steintafeln gesucht, die Quellen zufolge um den Tempel standen und auf denen Lehrreden des Meisters eingraviert waren, doch die Suche bliebt erfolglos. Man muss davon ausgehen, dass diese Steintafeln - falls sie wirklich existiert haben - zerstört wurden. Als vor einigen Jahren im Archiv einer Privatsammlung ein Dokument mit Abschriften dieser Steine gefunden wurde, welches gegen Mitte des zweiten Jahrtausend datiert, war die Skepsis gross, dass es sich hierbei um eine Fälschung handelt.

Das gefundene Dokument ist in 8 Kapitel unterteilt, jedes ist als Abschrift eines Steines gekennzeichnet. Neben den Kapitelüberschriften und einem Datums sind keine weiteren Kommentare oder Informationen über den Autor vermerkt, was für einen Text dieser Art ungewöhnlich ist. Die Qualität der Schriftzeichen ist gut, das Papier und die verwendete Tinte harmonieren mit der Datumsangabe. Der Text ist inhaltlich zum Teil von hoher Qualität und so weit man dies beurteilen kann, im Sinne und Geist des Tao-hsins und seiner Schüler geschrieben. Stilistisch ist er nicht einheitlich, speziell die fünfte Tafel weicht von den anderen ab.

Nun wäre dies alleine noch kein gültiger Einwand, da ja auch die Steintafeln von unterschiedlichen Autoren stammen könnten, welche Tao-hsins Aussprüche auf ihre eigene Art dokumentiert hatten. Daneben enthält das aufgetauchte Schriftstück jedoch auch sprachliche Aspekte, welche nicht in die Zeit Tao-hsins passen. Es handelt sich dabei nicht um Einzelfälle, die auf eine fehlerhafte Abschrift zurückzuführen wären: Die sprachliche Datierung geht von einem Text um die erste Jahrtausendwende aus.

Wie bereits erwähnt ist der Inhalt der vermeintlichen Abschrift von hoher Qualität und auch aus diesem Blickwinkel erscheint es unmöglich, die Niederschrift in eine andere Zeit als in die Jahrtausendwende zu legen, als die Zen-Kultur eine Blütezeit erlebte. Der Autor ist nicht bekannt, leider findet sich keine der vorliegenden Geschichten in einer bekannten Sammlung, was eine Zuweisung ermöglichen würde.

Trägt man alle heute bekannten Fakten zusammen, erscheint es wahrscheinlich, dass es sich bei dem vorliegenden Dokument um eine Fälschung handelt: Mitte des letzten Jahrtausends wurden zwei oder mehr aus der Jahrtausendwende stammenden Texte von unterschiedlicher Qualität vorsätzlich als die Abschrift der Steintafeln von Tao-hsin dargestellt.

Warum eine solche Umdatierung vorgenommen wurde ist unklar. Der vorliegende Text wäre auch mit einem unbekannten Autor bedeutend. Ein möglicher Grund könnte die dazumal politisch schwierige Situation sein, welche nur die Veröffentlichung geschichtlicher aber keinesfalls real religiöser Texte erlaubte.

Oder der Fälscher wollte bewusst eine Legendenbildung zum Vorteil einer bestimmten Glaubensrichtung provozieren. Eine Festlegung auf eine dieser Varianten ist ohne eine äusserst exakte Datierung des vorliegenden Dokumentes nicht möglich. Unabhängig von der Datierung und des Autors ist der Text ein wichtiges Überlieferung aus dieser Zeit, dessen Gedankenwelt nicht nur die Jahre überdauert hat, sondern das Fundament einer noch heute wichtigen Heilslehre bildet.

Die vorliegende Übersetzung lehnt sich stark an den äusserst kühlen und sachlichen Stil des Originals an. Die wenigen geschichtlichen und sprachlichen Bezüge wurden durch gleichwertige zeitgemässe Formulierungen ersetzt.

Christian Rusche

Download der PDF-Datei mit freundlicher Genehmigung von Christian Rusche direkt hier bei uns.
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